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28.07.2011 | Nachruf Georg Plasa
 
Weidinger-Motorsport
Georg Plasa (zweiter von links) - * 9. April 1960 in München; † 10. Juli 2011 in Rom

Lieber Georg,

eigentlich wäre so ein schöner Sommertag wie der gestrige 27. Juli anders abgelaufen. Wahrscheinlich hättest Du mich vormittags angerufen, gefragt wann ich Feierabend machen kann und wir hätten nachmittags eine Mountainbiketour gemacht! Eigentlich. Nie hätte ich gedacht, dass ich Dich an so einem Tag für immer verabschieden muss. Nie hätte ich überhaupt gedacht, dass ich für Dich mal einen Nachruf schreiben werde. Aber es soll kein Nachruf, sondern ein sehr persönlicher Rückblick werden, einer, der unserer Freundschaft gerecht wird. So wie die vielen Leute gestern Dir als Mensch gerecht wurden.

Ich saß in der Kirche, hörte die schöne Musik die Du Dir für diesen Tag sicher gewünscht hättest und dachte zurück. An die vielen Erlebnisse zusammen. Ich muss auch jetzt nur die Augen zu machen und mir fallen hunderte gemeinsam erlebte Stunden und Tage ein. Eins kennzeichnete eigentlich jedes Erlebnis: Alles beinhaltete immer eine Herausforderung, einen Anspruch, ein Ziel, und trotzdem konnte man riesigen Spaß dabei haben.

Mir kommt meine zweite EBM-Saison im Jahr 2006 in den Sinn. Wir haben in dem Sommer mehrere Wochen zusammen in Italien verbracht, die beiden Rennen am Monte Bondone und in Rieti gefahren. Alleine die Erinnerung an unser Streckentraining am Monte Bondone ungefähr zwei Wochen vor dem Rennen. Zuerst in Sektionen, dann komplett, am frühen Morgen, tagsüber, dann nachts, um Linie fahren zu können, da man Gegenverkehr am Scheinwerferlicht sehen konnte. Weißt Du noch, als uns der Dorfpolizist die Führerscheine abgenommen hat, aber sie gegen 50 Euro sofort wieder abgab. Und uns dann immer so freundlich gegrüßt hat, als wir mit dem 130i mit quietschenden Reifen an ihm vorbeigepfiffen sind? Wir haben uns auf 17,3km sage und schreibe 217 Kurven perfektionistisch genau in den Kopf gehämmert, auf zweieinhalb Tage knappe 2000 km auf dem Berg abgespult, zusammen im selben Hotelzimmer geschlafen, gegessen, diskutiert und wieder gefahren. Dort am Monte Bondone konntest mir Du etwas lernen, dort warst Du der Erfahrene. Nach dem Rennen am Monte Bondone fuhren wir nach Rieti, dort konnte ich Dir etwas lernen, ich war 2005 schon mal dort gewesen und hatte mich verliebt. Und die Strecke erfüllte genau das, was ich Dir versprochen hatte: Du fandest die verdammt schnellen 15 Kilometer hinauf auf den Monte Terminillo genau so toll wie ich. Es war und ist einer meiner, und es wurde einer Deiner Lieblingsberge. Und ich bin mir sicher, er blieb es bis zu Deiner letzten Sekunde.

Ich erinnere mich weiter, an unendlich viele unserer gemeinsamen Autofahrten. Im tiefsten Winter von Italien kommend den Zirler Berg hoch. Jeder andere vor uns drehte um, wir schafften es. Zusammen nach Innsbruck zum Mountainbiken, natürlich auf „direktem Weg“, eine Paßstraße nach der anderen, ich kann mich an nicht viele Fehler in der Linie erinnern. Unser beider Anspruch war immer, jeden Meter im Auto perfekt zu fahren, es wurde niemals "einfach nur" gefahren, ein Auto zu fahren hatte immer und überall etwas ernsthaftes. Egal ob Schaltpunkte, Zwischengas, Linie und so weiter. Es ging nicht um hirnloses Rasen, aber um Perfektion. Auf jedem Meter. Eine Fahrt vom Nürburgring nach Hause. Dunkle Nacht, teilweise nass, völlig leere Autobahn, wir waren in irgend einem schnellen BMW auf Winterreifen unterwegs. Jeder fuhr mal, der obige Anspruch wurde auch auf dieser Fahrt kompromisslos umgesetzt, wir hatten nebenbei aber eine Riesengaudi. Wir haben uns zusammen wie die Buben gefreut, wenn man die Linie bei 250km/h auf seiner Fahrspur in den schnellen Autobahnkurven perfekt traf, nicht korrigieren musste und das Auto gerade leicht zu gehen begann. Von außen gesehen vielleicht verrückt, aber wir beide vertrauten uns auch da.

Es gibt auch Dinge, die leider nicht mehr ihren Platz in Deinem - wirklich in jeder Hinsicht "gelebten" - Leben bekommen sollten: So lange und so oft haben wir in den ganzen Jahren in denen wir uns jetzt kannten, über die Nordschleife gesprochen, wir beide waren uns sicher, dass Du Dich gerade dort unheimlich wohl fühlen würdest! „Wenn es mal passt“, wollten wir dort hin...

Und vor nicht einmal einem Jahr haben wir an einem lustigen Abend nach’m Radlfahren festgelegt, dass wir, so bald uns zufällig ein geeignetes Objekt zuläuft, mal das Fahren auf zwei Rädern mit dem Auto zu probieren. Und ich bin mir sicher, auch das hätten wir so lange geübt, bis unser Perfektionsanspruch erfüllt gewesen wäre...

Es gab noch so viele andere Dinge, die wir unbedingt noch zusammen machen wollten. So viele Berge, so viele Touren in unserer Umgebung, die noch auf unserer Liste standen, mit dem Mountainbike erklommen zu werden. Zur Not im Winter mit selbstgebauten Spikes in den Reifen. Immer nach Herausforderungen gesucht, immer musste es ansatzweise etwas mit möglichst perfekter Beherrschung des Sportgeräts zu tun haben, immer haben wir trotz aller Ernsthaftigkeit viel und gerne gelacht. Und wenn es nur unsere - für Radfahrer ausdrücklich gesperrte - Lieblings-Talabfahrt von der Schwaigeralm war, wo uns die Bäuerin einmal ein erbostes "schmeiss'n soi's eich" hintergergeschrien hat, als wir mehr fliegend als fahrend an ihr vorbei sind. Der Spruch war ab diesem Tag unser lustiges Motto...immer wieder haben wir darüber gegrinst...

Leider kommt es nicht mehr dazu... Du bist von uns gegangen, bei dem was Du am liebsten getan hast. Was wir beide geliebt haben. Wie auch unser Freund Lionel vor ein paar Monaten. Wie lange haben wir uns damals nach Lionel’s Unfall drüber unterhalten? Und festgelegt, dass wir unseren Sport trotzdem lieben. Und außerdem: Wie oft standen wir an der Rohkarosse Deines neuen Autos und haben über passive Sicherheit im Detail genauso begeistert diskutiert wie über schöne, filigrane Renntechnik. Aber wenn der Tag kommt, der von vornherein festgelegt ist und der für uns alle kommen muss, ist das alles Makulatur.

Du hast mal flapsig gesagt, als ich mich über jemanden geärgert hatte, und wir uns drüber unterhielten: Im Motorsport gibt es keine Freunde, es gibt nur mehr oder weniger gute Bekannte. Ich glaube, für uns beide galt das nicht.

Mach’s gut, Georg!

 

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Zusammen mit dem Mountainbike unterwegs ...

 

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... auf dem Gipfel angekommen.
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